Geständnis. Ich bin eine Rabenmutter. Oder?

Unter Rabenmutter verstehen wir in unserem Sprachgebrauch eine Mutter, die ihre Kinder vernachlässigt, schlecht behandelt oder herabwürdigt… schluck! Und ich soll das sein? Mutti’s Nähkästchen hat dieses heikle, aber allumgreifende Thema in ihrem Beitrag „Outing einer anonymen Rabenmutter“ aufgegriffen und zu einer Blogparade aufgerufen. Da bin ich natürlich dabei. Darf ich also vorstellen: Rabenmutter Kerstin…

Ich verstecke mich vor meinem Kind
Meine Zuckerpuppe nennt es „verstecken spielen“, ich nenne es flüchten. Bei dem so genannten Versteckspiel suche ich mir ein unauffindbares Versteck, während sie 10 Sekunden lang an der Eingangstüre einschaut. Da schlüpfe ich in eine hintere Ecke, zwänge mich in den Kasten oder sitze neben der Osterhasen-Schoki in der Speis. Mit Handy versteht sich natürlich, denn vor den Augen meiner Zuckerschnute kann das Handy eh nicht bedient werden ohne eine Million mal „ich will auuuuuch“, „zeig mir das“, „ich will ein Video schauen“ zu hören… bevor Madame die Freude verliert gebe ich ihr aber dann ein paar Hinweise um das ersehnte Erfolgserlebnis, das Finden, herbeizuführen. Und noch einmal von vorne… Ich Rabenmutter, wie kann ich mich nur für egoistische Zwecke verstecken und mein Kind allein im Haus herumirren lassen?

Ich schummle bei den Gute-Nacht-Geschichten
Vorgelesen wird bei uns jeden Abend, das sind auch meistens sehr schöne, innige Minuten. Meistens, nicht immer. Wenn der Tag schon so mühsam war und die Prinzessin eine Raunz-Hexe war, dann bin ich einfach froh, wenn der Tag jetzt endlich aus ist.
Die Geschichten-Vereinbarung lautet zwei Bücher, ein großes und ein kleines (und ja, in einem Buch sind meistens mehrere Geschichten drinnen). Darüber wird allerdings auch jeden Abend verhandelt. Während Fräulein G’scheit immer mindestens 3 Bücher möchte, versuche ich die Anzahl der Geschichten runter zu schrauben, das große Buch auf ein kleines zu wechseln oder überhaupt ein Buch gegen ein Hörspiel auszutauschen. Zu 99% erfolglos. Ich sags euch, ich habe mal im Vertrieb gearbeitet. Der schwerste Verhandlungspartner dort war ein Klax gegen diese schweißtreibenden Gespräche 😉 Da alles nichts hilft, muss gelesen werden… sie kennt die Geschichten zwar alle schon sehr gut, aaaaaaaber nicht jeden Satz auswendig. Das wird ausgenutzt. Und an so einem anstrengenden Tag wird die Geschichte dann um ein paar Sätze gekürzt und recht flott gelesen. Ich Rabenmutter, wie kann ich nur so lieblos sein und mein Kind mit verkürzten Gute Nacht Geschichten abspeisen…

Abendessen: Jause oder Würstel
Ich bin ja bekanntlich keine große oder leidenschaftliche Köchin. Am Wochenende verwöhnt uns mein Göttergatte dafür regelmäßig mit Deluxe-Menüs. Für mich ist das nach wie vor „Leben wie Gott in Frankreich“, ich liebe es (und ihn!). Unter der Woche sieht die Mäuse-Fütterung schon etwas einfacher aus. Glücklicherweise bekommt sie bei der Tagesmutter jeden Tag ein frisch gekochtes, ausgewogenes, vegetarisches Menü, somit muss ich mir keine Gedanken über zu wenig gesunde Hauptmahlzeiten machen. Und immerhin isst sie am liebsten Gemüse (Karotten sind bei uns der Standard Snack wenn wir unterwegs sind). Wir sind keine Vegetarier, ooooh neeeein, deshalb gibts Fleisch meistens am Abend und ausreichend am Wochenende. Unser Einser-Abendmenü ist somit meistens kalte Jause (mit allem drum und dran: Wurst, Käse, Gemüse, Brot, Aufstrich,…) oder es wird auf die Schnelle ein Würsterl gekocht. Ich Rabenmutter, wie kann ich mein Kind nur mit so eintöniger, kalter Abendkost abspeisen…

Tablet zur Beruhigung
Tablet und Handy sind so eine Sache… wir haben schon relativ früh (mit ca. 1 Jahr) angefangen, dass die Prinzessin das Tablet benutzen darf. Allerdings immer mit für uns altersgerechtem Maß. Aktuell ist es bei uns so: es dürfen pro Tag maximal 2 Folgen ihrer Lieblingsserie (Benedikt der Bär) geschaut werden. Eine Folge dauert ca. 10 Minuten. Oder für ca. 20 Minuten eine App gespielt werden. Und das Tablet gibt es nicht zum „Stillmachen“, sondern wenn sie grundsätzlich brav ist… so viel zur Theorie 😉 Dass das so nicht immer funktioniert weiß bestimmt jede Mama. Wenn ein unmöglich zu beruhigender Trotzanfall hereinbricht, muss das Tablet her. Wenn die Autofahrt einfach nicht anders aushaltbar ist, muss das Tablet her. Wenn nach einem Raunztag Mama einfach keine Nerven mehr hat, muss das Tablet her. Sorry liebe Erziehungsexperten, aber so ist es halt. Ich kann euch beruhigen, ich Rabenmutter verseuche mein Kind mit unnötiger zusätzlicher Strahlung nur ausnahmsweise 😉

Und zu guter Letzt… der Supergau!

Ich lasse mein Kind fremdbetreuen, seit sie 1 Jahr alt ist!
Oh was hab ich mir anhören können: „so früh schon? Da ist sie ja noch ein Baby!“ „Das würde ich nicht übers Herz bringen“ „du gibts sie freiwillig einer FREMDEN Person?“
Und die, die sich’s verkneifen konnten, haben die Augen überdreht und sich umgedreht.
Aber ich muss ehrlich sagen: ich habe das recht locker gesehen und tatsächlich nicht ernst genommen. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich mich nicht total wohl dabei gefühlt hätte. Und wie heißt’s so schön: Mutter glücklich – Kind glücklich – Kind glücklich – Mutter glücklich. Da ist schon was dran!
Ich ging also wieder arbeiten, als meine Hasemaus 1 Jahr alt war und das 20 Stunden. Sie ist also von Montag bis Donnerstag halbtags bei einer Tagesmutter. Einer total tollen Tagesmutter, die liebevoll und unkompliziert ist und irgendwie hab ich mich sofort wohl gefühlt bei ihr. Aber nicht nur ich, sondern auch die Maus hat sich von Anfang an lieb gewonnen. Und ihre Tochter, die eineinhalb Jahre älter ist als meine Maus, ist sowas wie eine Schwester für sie geworden, soooo süß!! Ich seh‘ schon, ich glaub ich muss meiner lieben Tagesmutter mal einen eigenen Artikel widmen 😉
Natürlich gab’s auch mal Abschiedstränen… aber hey, die gibt’s bei vielen auch mit 3-4 Jahren im Kindergarten. Ich Rabenmutter bin also auch zur Arbeit gegangen als sie bitterlichst geweint hat, als ich gegangen bin. Aber ich verrate euch etwas: wenn ich sie abhole, will sie gar nie nach Hause gehen vor lauter Spaß dort. Früher so wie auch heute.

Es gäbe noch so viele Themen und Situationen, die ich aufzählen könnte. Aber ich glaube es reicht an Rabenmutter Geschichten, sonst glaub ich’s selber noch.

Ich bin mir ganz sicher, dass alle Mamis da draußen diese Situationen nur all zu gut nachvollziehen können und deshalb glaube ich: ein bisschen Rabenmutter steckt in uns allen und das passt schon so. Wer möchte schon in einer perfekten Welt leben?? Gibt’s das überhaupt? Nein, nicht mit Kind! Gut so!

Eure Raben-Kerstin

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Geständnis: ich bin eine Rabenmutter, oder?

0 Replies to “Geständnis. Ich bin eine Rabenmutter. Oder?”

  1. Ach ja Fremdbetreuung mit 1 Jahr…Das hatte ich vergessen, danke für die Erinnerung 🙂 Du bist nicht alleine, ich fürchterliche Mama hab mein Kind auch schon mit 1 Jahr in die Krabbelstube gebracht.

  2. Hallo, ich finde deinen Artikel toll. Ich bin auch schon früh arbeiten gegangen, also musste meine Maus mit 18 Monaten in den Kiga gehen. Auch ab und zu mit Tränen, aber sie freut sich jeden Tag aufs Neue in den Kiga zu gehen. Ich bin nämlich der Meinung, dass Kinder auch Kinder brauchen. Sie können untereinander sehr viel lernen.

    Und jetzt bin ich auch noch 40h arbeiten. d.h. meine Kleine ist bereits von viertel 8 bis meisten um 16h im Kiga. Jedoch auch 2 Tage in der Woche bei Oma und Uroma und diese Zeit genießt Sie sehr. Wochenende ist Familienzeit 🙂
    Freue mich schoon auf deinen nächsten Artikel 🙂

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